Literaturempfehlungen

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Weil wir als MediengestalterInnen, egal in welchem Bereich, immer mit Menschen bzw. deren Reaktionen auf unsere Erzeugnisse zu tun haben, stellt sich bereits im Vorfeld jeglicher Gestaltung die Frage: Wie wirkt mein Design eigentlich auf andere? Im Rheinwerk-Verlag (ehemals Galileo Press) erschien kürzlich ein Buch, das diesem Thema aus psychologischer Sicht auf den Grund geht:

Monika Heimann und Michael Schütz:
Wie Design wirkt – Psychologische Prinzipien erfolgreicher Gestaltung

Status: Lieferbar (1. Auflage, 2016)
Gebunden | 632 Seiten, zahlreiche Abbildungen | durchwegs farbig
ISBN 978-3-8362-3858-8
Preis: € 39,90

Der Rheinwerk-Verlag hat mir das Buch freundlicherweise als e-book im pdf-Format zur Verfügung gestellt. 

Wie Design wirkt (U1)

Wie Design wirkt (U1)

Psychologie und Design sind gewissermaßen konträre Welten: Während eine Designerin aus Formen, Farben und Schriften ästhetische Werke für Menschen schafft und in diesem Sinne synthetisiert, analysiert der Psychologe diese Werke und erforscht ihre „Wirkung“ anhand von Experimenten und Befragungen. Daher sind Monika Heimann (Artdirektorin im Mediendesign) und Michael Schütz (Diplom-Psychologe mit dem Schwerpunkt Markt- und Werbepsychologie) überzeugt, dass Designer viel gezielter gestalten könnten, wenn sie die psychologische Prinzipien der Wirkung in ihre Arbeit einbeziehen würden, wobei Wirkung für sie bedeutet, dass „etwas (z. B. ein Design) mit jemandem (z. B. einem Betrachter) etwas macht und damit bei ihm eine Veränderung bewirkt“. Gutes Design wäre demnach neben einem ästhetischen Werk immer auch eine Art angewandte Psychologie.

Da in unseren Breiten der Anwendung stets die Theorie vorausgeht, bildet die wissenschaftliche Psychologie die Basis des Werkes. Während es Heimann und Schütz durchwegs gelingt, die Elemente der Designentwicklung (Farben, Formen, Bilder, Text und Texturen) in ihrer Wirkung in einem systematischen Konzept zu vereinen und die Zusammenhänge dieser Elemente über die Kapitel hinweg untereinander verständlich zu erläutern, ist es mit der Wissenschaftlichkeit nicht allzu weit her, denn die empirischen Belege beschränken sich im Wesentlichen auf eigene Studien mit sehr wenigen und nicht repräsentativen Versuchspersonen im universitären Kontext.

Heimann und Schütz benennen als Zielgruppen neben fortgeschrittenen Designstudenten unter anderem Praktiker aus den Bereichen Marketing und Kommunikation auf psychologischer Seite sowie Kommunikations- und Mediendesigner auf gestalterischer Seite. Dazu sei gesagt, dass „Wie Design wirkt“ gründlich erarbeitet werden will. Nur wer dazu bereit ist, wird mit wertvollen Erkenntnissen belohnt. Indes ist das 632 Seiten starke Werk trotz umfangreichen Index als Nachschlagewerk eher ungeeignet, weil sich die Zusammenhänge und damit die „tieferen Einsichten“ eben erst über die Kapitel hinweg erschließen.

Wer sich dennoch nur überblicksmäßig mit der Thematik auseinandersetzen möchte, wird die blaue Hinterlegung der als wichtig hervorgehobenen Textpassagen sowie die kompakten Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels zu schätzen wissen. LeserInnen, die aus Zeiten stammen, in denen es noch als grobe Unart galt, sämtliche Bücher mit Textmarkern zu verunstalten, werden die blauen Hinterlegungen allerdings wahrscheinlich als eher störend empfinden, zumal sich nicht jede(r) auf diese Art bevormunden lassen will.

Alles in Allem vermag das umfangreiche Buch durchaus zu überzeugen, und dank der zahlreichen Abbildungen wird das Buch Designer(innen) und Werber(innen), die sich für die Feinheiten der Designwirkung interessieren, gleichermaßen eine „Inspirationsquelle mit psychologischen Teifgang“ sein. Allerdings nur jenen, die ausreichend Zeit und Muße für die Lektüre mitbringen!

Weitere Informationen zum Buch, das Inhaltsverzeichnis sowie eine Leseprobe finden Sie auf der Website des Rheinwerk-Verlages.


Diesmal möchte ich ein Buch empfehlen, das Anfänger und Fortgeschrittene auf spielerische Weise mit der Typografie und der Gestaltung von Printprodukten vertraut macht und zudem eine wahre Fundgrube für Dozenten und Trainer in Medien- und Gestaltungsfächern bietet:

Martina Nohl: Workshop Typografie & Printdesign

Status: Lieferbar (3., überarb. u. erw. Aufl., 2013)
345 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Broschur
ISBN 978-3-86490-089-1
Preis: € 36,90

Ironischerweise und quasi im Kontrast zum Titel ist der Workshop Typografie & Printdesign auch als e-book (ISBN 978-3-86491-342-6) erhältlich.

„Man sollte nicht sein ganzes Leben mit Buchstaben verbringen, es gibt ja noch die Typografie.“

Buchumschlag (U1) zu Martina Nohl: Workshop Typografie & Printdesign

Buchumschlag (U1) zu Martina Nohl: Workshop Typografie & Printdesign

Mit diesem Zitat von Hans Peter Wilsberg, eines der bedeutendsten deutschen Buchgestalter der Nachkriegszeit, der auch einige Standardwerke für die Fachwelt verfasst hat, leitet die gelernte Schriftsetzerin Martina Nohl ihr nunmehr in der dritten Auflage vorliegendes Lern- und Arbeitsbuch ein.

Indes beschäftigt sich das für Einsteiger gedachte Lehrwerk nicht nur mit Typografie im klassischen Sinn – traditionell bezeichnet die aus dem griechischen τυπογραφία abgeleitete Typografie die Kunst und das Handwerk des Druckens –, sondern mit der grafischen Gestaltung verscheidenster Printmedien am Computer und dabei insbesondere mit der Schrift als Gestaltungsmittel. Die Autorin orientiert sich also am Begriff der Typografie im Sinne der zeitgenössischen Medientheorie und möchte ihre Leser und Leserinnen mit der Gestaltung von Printprodukten (in Abgrenzung zur Handschrift (Chirografie) und elektronischen sowie nicht literalen Texten) vertraut machen, wobei etliche Gestaltungsprinzipien natürlich auch für das Design elektronischer Medien gelten.

Das Buch deckt sämtliche relevante Themen von der Ideenfindung, über den bewussten Einsatz von Schriften, den Seitenaufbau, die verschiedenen Gestaltungselemente, den Einsatz von Farben und Bildern und deren Zusammenspiel mit dem Text, bis zur Gestaltung von kompletten Layouts ohne und mit Gestaltungsrastern ab, wobei das Kriterium der Lesbarkeit und dem sinnvollenZusammenspiel der Gestaltungselemente stets im Vordergrund steht.

Dabei nimmt in Nohls Buch ganz im Gegensatz zu vielen anderen Werken, wo man vor lauter totem „Faktenwissen“ kaum mehr zur Anwendung des „Wissens“ gelangt, von Anfang an die Sinnlichkeit und praktische Anwendung breiten Raum ein, womit der Begriff „Workshop“ im Buchtitel tatsächlich Programm ist. Denn die Autorin fordert ihre Leserschaft immer wieder auf, anhand kleinerer und größerer Gestaltungsaufgaben das Erarbeitete eigenständig umzusetzen.

Die Materialien dazu, sowie Musterlösungen, Bewertungskriterien für die Aufgaben, Ergänzungskapitel und eingie Typo-Spiele können von der Webseite des Verlages herunterladen werden. Erfreulicherweise beharrt Nohl auch nicht auf einem bestimmten gestalterischen Standpunkt, sondern ist in der Lage, verschiedenste Perspektiven einzunehmen und vermag damit, beim Selbststudium eigene Überlegungen zu entwickeln, und in Gruppenarbeit fruchtbare Diskussionen anzuregen.

Nicht zulertzt deshalb eignet sich das Buch auch hervorragend zur Unterrichtsvorbereitung und als ideale Ergänzung zu Typografie-Workshops und Hochschulseminaren.

Alles in allem ist „Workshop Typografie & Printdesign“ ein motivierendes und kompetent verfasstes Lern- und Arbeitsbuch für die Praxis, das durchaus das Format hat, einmal ein „Klassiker“ zu werden. Ich habe es immer wieder Self-Publisher(inne)n empfohlen und werde es auch in den kommenden Workshops meines Verlages – zur Nachbereitung oder zur Vertiefung der erworbenen Kenntnisse – wärmstens empfehlen!

Einige Beispielseiten mit Erläuterungen aus dem Buch finden Sie auf der Website des Typografen Uwe Steinacker. Der Verlag stellt neben dem Inhaltsverzeichnis und dem Vorwort eine Leseprobe, nämlich einen Auszug aus dem wichtigen Kapitel Lesbarkeit, zur Verfügung.

Die Autorin

Martina Nohl ist gelernte Schriftsetzerin und Berufspädagogin und bringt als Berufsschullehrerin, Trainerin, Coach reichlich Erfahrung aus der Druck- und Medienbranche mit.

Der Verlag

Der 1995 in Heidelberg gegründet dpunkt-Verlag ist ein Fachverlag für die Kreativbranche, der sich darauf spezialisiert hat, praxistaugliches Wissen zu innovativen IT-Themen und neue Techniken auf dem Gebiet der Fotografie zu vermitteln. Seit 2015 gehört auch das deutschsprachige O’Reilly-Programm zu dpunkt. Wer den Verlag und seine MitarbeiterInnen ein wenig näher kennenlernen möchte, dem / der sei das Videoportrait von Bernd Oestereich empfohlen, der den dpunkt-Verlag in Heidelberg im Jahr 2007 besucht hat.


Als Auftakt in diese im April 2016 eröffnete Rubrik wollen wir ein Buch vorstellen, das gleichermaßen für Einsteiger und Studierende in das Gebiet der Buchgestaltung, wie auch für auf diesem Gebiet bereits Erfahrene etwas zu bieten hat:

Andrew Haslam: Handbuch des Buches

Status: Lieferbar
256 S. , 370 Abbildungen
Format: 26,0 x 22,0 x 2,8 cm
Fester Einband mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8307-1330-2
Preis: € 58,00

Handbuch des Buches - Cover

Handbuch des Buches – Cover

Das erstmals 2006 bei Laurence King in London unter dem Titel „Book Design“ herausgegebene Buch verspricht sowohl Studierenden als auch erfahrenen Buchgestaltern zahlreiche Anregungen und praktische Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer Buchprojekte. Zwar stand das Buch in meiner Studienzeit noch nicht zur Verfügung, in meinem verlegerischen Alltag hingegen ist das Handbuch inzwischen ein treuer Begleiter geworden, sei es als Nachschlagewerk für Detailinformationen oder als Inspirationsquelle.

Rückblickend wäre mir das Buch bestimmt schon in der Studienzeit ans Herz gewachsen, denn es bietet Studierenden der ersten Semester etwa im Kommunikationsdesigns oder den Buchwissenschaften tatsächlich eine der umfassendsten und verständlichsten im deutschsprachigen Raum erhältlichen Quellen zum Thema Buchgestaltung.

Vermutlich gibt es kaum das gesamte Themengebiet abdeckende Fachbücher, weil ein solches Unterfangen nicht ganz einfach zu realisieren ist, zählt die Gestaltung eines Buches, gleichgültig welchen Genres, doch sicherlich zu den umfassendsten gestalterischen Aufgaben: Ein stimmiges und harmonisches Druckwerk bedarf neben der Festlegung des Satzspiegels und des Layouts, oder der Wahl einer geeigneten Schrift bereits einer gewissenhafte Planung im Vorfeld, denn konzeptionelle Vorüberlegungen und eine sorgfältige inhaltliche Strukturanalyse tragen zum Gesamtbild des Buches genauso bei, wie die künstlerische Gestaltung des Buchblocks und des Umschlages.

So widmet sich das in vier Großkapitel gegliederte Handbuch, bevor es an das Kerngeschäft der Buchgestalterin, also an die materielle Realisierung eines (Druck-)Werkes, der Frage „Was ist ein Buch?“ Dieser Abschnitt behandelt die Bestandteile eines Buches und deren korrekte Benennung, welche Menschen bzw. Berufe aus dem Verlags- und Druckgewerbe an der Entstehung eines Buches beteiligt sind und welche Aufgaben der Buchgestalterin als vermittelnde Instanz zwischen Autor(in) / Lektorat, Verleger(in) zukommen.

In den folgenden Kapiteln geht es dann um die Möglichkeiten der Konzeption, die zur Verfügung stehenden Gestaltungselemente (Format, Raster, Typografie und Bildmaterial), Produktionstechniken, Materialien und Produktion, sowie Aspekte der Druck- und Papiertechnik, wobei keiner der drei Aspekte Ästhetik, Kommunikation und Technik zu kurz kommt.

Insbesondere im Kapitel Proportionen für Seitenformat und Satzspiegel schlägt Haslam sogar philosophische Töne an, etwa wenn er auf den Goldenen Schnitt oder Bringhursts chromatische Skala zu sprechen kommt. Gerade solche Exkurse aber könnten eine Gestalterin dazu verleiten, etwa ein Buch über den Jazz im „Intervall“ der Quarte zu „stimmen“, dem Buch also ein Seitenformat 4:3 zugrunde zu legen, um dann Satzspiegel und Schriftgrößen in passenden Skalen harmonisch zu integrieren.

Insbesondere in den Teilen „Palette des Buchdesigners“ und „Schrift und Bild“ stehen häufig verschiedene, teilweise auch einander widersprechende, Ansätze zur Diskussion. Zur „Diskussion“ deshalb, weil Haslam die Leserschaft nicht mit im deutschen Sprachraum so beliebten und probaten „Patentrezepten“ abspeist, sondern verschiedene Ansätze einander gegenüberstellt, um das Verständnis des betreffenden Themas zu fördern oder zum eigenständigen Experimentieren anzuregen.

Dabei gehen die Unterkapitel unterschiedlich tief ins Detail, es herrscht aber durchwegs ein sehr ausgewogenen Verhältnis zwischen den sorgfältig strukturierten Texten und Grafiken bzw. Fotografien. So widmet der Autor etwa dem Thema Buchformat und Satzspiegel einen sehr breiten Raum, während die Typografie eher am Rande behandelt wird, was teilweise dem Umstand zu verdanken ist, dass Haslam zu diesem Thema (gemeinsam mit Phil Baines) ein eigenes Buch mit dem Titel „Lust auf Schrift“ verfasst hat.

Im Anhang steht mit dem kleinen 1 x 1 der Textgestaltung eine Art Leitfaden für Basisregeln der formalen und sprachlichen Gestaltung zur Verfügung, das für Lektoren und Buchdesigner gleichermaßen hilfreich ist, um Möglichkeiten der Gestaltung auszuloten und implizit auch potentielle Fehler und Fallen zu bedenken, wie etwa die im deutschen Sprachraum um sich greifende Apostrophitis. Ein relativ umfangreiches Glossar und ein Abschnitt mit weiterführende Literatur runden das Werk ab.

Der Autor

Andrew Haslam ist Absolvent des Royal College of Art. Seit 1986 entwirft er in seinem Londoner Studio naturwissenschaftliche, historische und geografische Sachbücher für Kinder. 1994 erhielt er den American Institute of Physics Award für die beste naturwissenschaftliche Publikation, 1997 die Goldmedaille der Geographic Society für den bedeutendsten Beitrag zur Geografie. Neben seiner publizistischen Tätigkeit lehrt Andrew Haslam an mehreren britischen Universitäten Grafikdesign und Typografie. Seit sechs Jahren leitet er den Studiengang Kommunikationsdesign am Londoner Central Saint Martins College of Art & Design.

Der Verlag

Das Handbuch des Buches ist im Stiebner Verlag erschienen. Auf der Verlagswebsite können Sie ein wenig  „im Handbuch blättern“. Das Verlagsprogramm des Stiebner Verlags umfasst Bücher zu den Themen Graphik/Design, Mode, Karikaturen, Bavarica und Kunst. Außerdem bringt Stiebner die Monatszeitschrift „Novum“ heraus.