the wise man’s last words

Dieses Video entstand im Jahr 2008 im Rahmen eines Schreibwerkstatt-Semesterkurses. Zuweilen wurde uns dort die Aufgabe gestellt, einen Song­text, in diesem Fall einen »Story Song« zu schreiben. Zu jener Zeit beschäf­tigte mich gerade eine merk­wür­dige, von der Fach­phi­lo­so­phie stets igno­rierte Text­stelle in Platons »Phaidon«, aus der hervor­geht, dass Sokrates eigent­lich zum Musiker bestimmt gewesen wäre:

Es war nämlich dieses: es ist mir oft derselbe Traum vorge­kommen in dem nun vergan­genen Leben, der mir, bald in dieser, bald in jener Gestalt erschei­nend, immer dasselbe sagte: »O Sokrates«, sprach er, »mach und treibe Musik!« Und ich dachte sonst immer, nur zu dem, was ich schon tat, ermun­tere er mich und treibe mich noch mehr an, und wie man die Laufenden anzu­treiben pflegt, so ermun­tere mich auch der Traum zu dem, was ich schon tat, Musik zu machen, weil nämlich die Philo­so­phie die vortreff­lichste Musik ist und ich diese doch trieb. Jetzt aber, seit das Urteil gefällt ist und die Feier des Gottes meinen Tod noch verschoben hat, dachte ich doch, ich müsse, falls etwa der Traum mir doch befehle, mit dieser gemeinen Musik mich zu beschäf­tigen, auch dann nicht unge­horsam sein, sondern es tun. Denn es sei doch sicherer, nicht zu gehn, bis ich mich auch so vorge­sehen und Gedichte gemacht, um dem Traum zu gehorchen.

Wie Sokrates endete, dürfte hinläng­lich bekannt sein. Damit sich dieses Schicksal nicht wieder­holt, unter­stellt der Song, Sokrates habe seinen Jüngern aufge­tragen, die wahr­hafte Musik in die Welt zu tragen. Was es mit dieser »wahr­haften Musik« auf sich hat, möge man bitte in meinem in »Mehr Licht« veröf­fent­lichten Essay nachlesen.