was es ist

Der Song »What it is« zu Erich Frieds Gedicht »Was es ist« entstand anläss­lich eines »Sympo­sions« unserer Gesell­schaft für ange­wandte Philo­so­phie im Jahr 2007. Den deut­schen Text spricht Erich Fried höchst persön­lich (dieses Tondo­ku­ment entstammt der CD »Liebes­ge­dichte«). Aufgrund der sprach­li­chen Klar­heit liess sich das Gedicht recht unkom­pli­ziert ins Engli­sche über­tragen.  Meine Kompo­si­tion wird — so hoffe ich – dem Text inso­fern gerecht, als auch sie einfach gehalten ist. Der sich stetig stei­gernde »Chewy Phaser« Effekt soll das »um den heißen Brei reden« bzw. in ihren wertenden Urteilen »an der Sache vorbei reden« der Antago­nisten Angst, Einsicht, Stolz, Vorsicht und allen voran der Vernunft abbilden.


»Was es ist« — Ein Liebesgedicht?

Eine Inter­pre­ta­ti­ons­skizze

Gewöhn­lich thema­ti­sieren Liebes­ge­dichte unter­schied­liche Erschei­nungs­weisen der Liebe, wie etwa Begehren, Bezie­hung, Erfül­lung und Entsa­gung, die Liebe selbst erscheint aber norma­ler­weise nicht. Im Gegen­satz dazu perso­ni­fi­ziert Erich Fried die Liebe und kontras­tiert ihre wert­freie und harmo­nise­rende Aussage »Es ist was es ist« mit den wertenden und für Disso­nanz sorgenden Urteilen der  Berech­nung, der Angst, der Einsicht, des Stolzes, der Vorsicht und allen voran der Vernunft.

Meiner Ansicht nach lässt Fried die Vernunft deshalb alle anderen Instanzen anführen, weil tatsäch­lich die euro­päi­sche Tradi­tion seit der Aufklä­rung die Vernunft über alles stellt, obwohl es kaum etwas unver­nünf­ti­geres als die euro­päi­schen »Vernünftler« gibt.

Für eine Dienst­magd thra­ki­scher Ausprä­gung hat der scharfe Kontrast der Vereh­rung der Vernunft und die gelebte euro­päi­sche Unver­nunft zunächst einen sehr hohen Unter­hal­tungs­wert. Ihr bleibt das Lachen aller­dings bald im Halse stecken, denn das stete Kate­go­ri­sieren der Vernunft, oder des »Logos« wie die feinen Herren bevor­zugt sagen, sorgt letzt­lich nur für die dualis­ti­sche Armse­lig­keit dieser Welt. Das soge­nannte Vernunft­denken ist nämlich über­haupt kein Denken, sondern eben ein armse­liger Auto­ma­tismus nicht unähn­lich einer Siebanalyse:

Man(n) stelle Kate­go­ri­en­siebe auf und lasse alles und jede durch­rie­seln. So kommen die feinen Dinge, wie etwa Witz und Kunst ganz unten zu liegen, während die klobigen und kleb­rigen Gegen­stände wie Recht und Ökonomie ganz oben zu liegen kommen. Die stock­steife Vernunft vermag sich natür­lich nicht weit zu bücken, deshalb kümmert sie sich nur um die Dinge, die in den grob­ma­schi­geren Frak­tionen zu finden sind.

Das Vernunft­denken ist also nicht die höchste Denkart, wie die feinen Herren stets behaupten, sondern ganz im Gegen­teil die primi­tivste. Diese Denkart hat die Welt für die denk­faulen Herren zwar hübsch einfach und beHERRschbar gemacht, wird aber für jene, die sich nicht dieser Denkart bedienen wollen, schnell zur Hölle, allen voran natür­lich für die Liebe.

Denn die Liebe ist bekannt­lich vorbe­haltslos und kate­go­ri­enlos, weshalb ihr Denken kein Kate­go­ri­en­sieb kennt. Konse­quen­ter­weise wirkt ihr Credo »Es ist was es ist« auf die gemein-Schaft der Siebana­lysten banal oder wie zum Beispiel auf den Stolz, einen der treu­esten und somit übelsten Gefährten der Vernunft, einfach nur lächerlich.

Solange aber die Liebe der brav kondi­tio­nierten Mehr­heit nur als »unver­nünftig« oder gar »irra­tional« und dem Normal­ver­brau­cher­männ­chen gerade noch als »schönste Neben­sache der Welt« gilt, wird man(n) ihr wahr­haftes Wesen wohl nicht erkennen:

Liebe ist  … der kate­go­ri­en­freie und daher harmo­ni­sie­rende Verstand.

Bei Erich Frieds Gedicht handelt es sich daher nicht um ein simples Liebes­ge­dicht sondern es darf mit einigem Recht als eine Rede über das Wesen der Liebe in Fort­set­zung zu Platons Sympo­sion betrachtet werden.